Lars will es schaffen!

Lars in seinem Krankenhausbett

Mit einem scheuen Lächeln schaut der kleine Lars aus seinem Bettchen in der Bonner Kinderklinik. Er trägt kein Krankenhaushemdchen, sondern ein T-Shirt mit „Bob der Baumeister“-Aufdruck: „Können wir das schaffen?“ – Lars hat es geschafft.

Im Januar 2007, als Lars das Licht der Welt erblickt, rechnet niemand damit, dass er einen schweren Start ins Leben haben wird. Als sich seine Mutter über seine leicht bläuliche Farbe und sein kaltes Köpfchen wundert, sagt man ihr, das sei normal. Erst als der Kinderarzt ein Herzgeräusch feststellt und Lars’ kleiner Körper sich am dritten Lebenstag plötzlich blau färbt, wird der Ernst der Lage klar: Lars leidet am schwerstmöglichen angeborenen Herzfehler, dem hypoplastischen Linksherzsyndrom. Seine linke Herzkammer ist unterentwickelt, so dass seine Organe nicht genügend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Nun zählt jede Minute.

Aus dem Krankenhaus in Lüdenscheid wird das Neugeborene sofort nach Bonn in die Universitäts-Kinderklinik gebracht. Hier ist man auf komplizierte Operationen an den nur walnussgroßen Kinderherzen spezialisiert. Noch am selben Tag erleidet er einen Kreislaufzusammenbruch – Kinderherzspezialist Professor Johannes Breuer führt eine Notoperation durch, um die Organfunktion zu sichern und Lars’ Leben zu retten. Obwohl Lars’ Zustand sich zunächst stabilisiert, muss er am 12. Lebenstag erneut operiert werden. Beim hypoplastischen Linksherzsyndrom sind drei schwierige Eingriffe nötig, um das Überleben der kleinen Herzkinder zu sichern.

Lars übersteht auch diesen Eingriff gut und darf einige Wochen später mit seinen Eltern nach Hause. Kurz darauf folgt allerdings schon der nächste Schock: Der Kinderarzt stellt fest, dass Lars’ Arterien sich immer weiter verengen. Erneut wird das Baby zu den Spezialisten nach Bonn gebracht, wo mittels eines Herzkatheters ein winziger Ballon eingebracht wird, mit dem die Engstellen minimal-invasiv geweitet werden.

Mit drei Monaten steht für Lars dann die zweite große Korrekturoperation seines Herzfehlers an. Da zeitgleich die Arterien sich erneut zu verengen drohen, entscheiden sich die Bonner Chirurgen für einen riskanten Doppeleingriff: Während der Operation am offenen Herzen wird bei Lars ein Plastikröhrchen, ein sogenannter Stent, in die verengte Arterie eingesetzt. „Mit nur drei Monaten und weniger als 3 kg Gewicht war Lars eigentlich zu jung und zu leicht für einen solchen Eingriff. Aber wir haben hier in Bonn viel Erfahrung mit Kinderherzoperationen und können auf viel Expertise zurückgreifen. So hat dann zum Glück auch alles gut funktioniert“, sagt Professor Breuer, der die Abteilung für Kinderkardiologie in Bonn leitet und Lars operiert hat. Dank der professionellen Arbeit des gesamten Teams gelingt alles und Lars erholt sich rasch.

Noch nicht einmal drei Jahre alt ist Lars dann, als er in Bonn im Oktober 2009 zum hoffentlich letzten Mal operiert wird. Bei diesem Eingriff wird sein angeborener Herzfehler abschließend korrigiert – alles geht gut. Doch in der Nacht nach seiner Operation schlagen die Geräte plötzlich Alarm: Lars’ Blutdruck sackt ab. Die Ärzte brauchen dringend ein Ultraschallbild des kleinen Herzens! Glücklicherweise hat die Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren e.V. gerade wenige Tage zuvor ein mobiles Ultraschallgerät an der Kinderklinik zur Verfügung gestellt. Blitzschnell fährt Dr. Ulrike Herberg das Gerät an Lars’ Bettchen und untersucht ihn: Ein Blutgerinnsel hat sich gebildet und behindert die Lungendurchblutung – eine seltene Komplikation. Sofort kann das Team reagieren und das Gerinnsel mit Medikamenten auflösen. So ist Lars das erste Kind, dem mit dem neuen Gerät geholfen werden kann. Inzwischen besucht Lars den Kindergarten, spielt am liebsten draußen und tobt mit seiner kleinen Schwester. Seinen schweren Start ins Leben sieht man ihm nicht mehr an. „Er hat sich ganz toll entwickelt. Dafür sind wir den Bonner Ärzten unendlich dankbar“, sagt seine Mutter.

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