Mitwachsende Herzklappe

Ist bei einem Säugling der Einsatz einer künstlichen Herzklappe nötig, hat dieser Eingriff weitere belastende Operationen und Medikamentengaben zur Folge
Wenn ein Kind mit einem Herzklappenfehler zur Welt kommt, ist in den meisten Fällen die Transplantation einer Herzklappe unvermeidlich. Die derzeit für die Versorgung zur Verfügung stehenden Implantate bestehen aus Kunststoff oder totem tierischen Material. Dies führt zu verschiedenen Einschränkungen für die kleinen Patienten, denn die Transplantate sind und bleiben Fremdkörper im Herzen des Kindes. Abstoßungsreaktionen und Infektionen können die Folge sein. Eine lebenslange Hemmung der Blutgerinnung ist notwendig, um Blutgerinnseln vorzubeugen, außerdem sind immer wieder erneute Operationen nötig. Denn die eingesetzten Klappen wachsen nicht mit, sie werden zu klein, degenerieren und können verkalken. Der Austausch erfolgt jedes Mal durch eine Operation am offenen Herzen, einen Eingriff, der sich in höchstem Maße belastend auf den Organismus des Kindes auswirkt.

Mitwachsende Herzklappen sollen das Abstoßungsrisiko weiter minimieren
Die Forscher in Hannover arbeiten seit einiger Zeit an der Entwicklung einer Herzklappe aus körpereigenen Zellen auf Klappenmatrices xenogenen (artfremden) sowie allogenen (artgleichen) Ursprungs. Humane dezellularisierte Herzklappen werden in Hannover bereits klinisch erfolgreich eingesetzt, sind jedoch nur begrenzt verfügbar. Porcine Klappen (von Schweinen) könnten eine Lösung dieses Problems darstellen, da solche Klappen praktisch in der Anzahl nicht limitiert zur Verfügung stehen und auch die benötigten Größen für alle humanen Anwendungen gewonnen werden könnten. Leider mussten aber erste klinische Studien mit kommerziell erhältlichen porcinen dezellularisierten Klappen abgebrochen werden, weil massive Abstoßungsreaktionen zu beobachten waren. Mit einem neuartigen Dezellularisierungs- und Aufbereitungsverfahren sollen künftig die Antigene (welche die Abstoßungsreaktion verursachen) weitestgehend entfernt werden. Da vermutet wird, dass bestimmte Zuckerstrukturen auf den porcinen Zellen und der Matrix die Hauptantigene sind, sollen diese durch gezielte enzymatische Behandlungen weiter reduziert werden. Die modifizierten Klappenmatrices werden dann auf mögliche Abstoßungsreaktionen getestet. Die Funktion, das Wachstum und das Ausbleiben von komplexen immunologischen Reaktionen können leider nur im Tierversuch überprüft werden. Ziel dieses Projekts ist es, eine mitwachsende Herzklappe aus unbegrenzt verfügbarem artfremdem Material für die Kinderherzchirurgie zu entwickeln. Verlaufen die Versuche so erfolgreich wie erhofft, d.h. die Klappen zeigen daserwartete Wachstumspotential sowie keine Abstoßungsreaktion, könnte die Herstellung von vitalen, mitwachsenden Klappenprothesen für den klinischen Einsatz in absehbarer Zeit möglich werden. Aufgrund der Struktur der Klappenmatrices werden diese von körpereigenen Zellen besiedelt. Diese natürliche Reaktion des Körpers ermöglicht Wachstum und macht die Einnahme Blut verdünnender Medikamente überflüssig. Viele herzkranke Kinder könnten so bereits mit einer einmaligen Operation geheilt werden, Folgeoperationen und bislang häufig vorkommende lange Leidenswege würden ihnen damit erspart.

 
Ausführende Stelle: Abteilung für Herz-, Thorax-,
Transplantations- und Gefäßchirurgie
der Medizinischen Hochschule Hannover
Laufzeit: 01.07.2011 - 31.12.2013
Kosten der gesamten Laufzeit: 100.000,- Euro
   

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