Das Leben mit einem angeborenen Herzfehler ist weit vielschichtiger als die medizinische Diagnose allein. Dennoch liegt in der medizinischen Ausbildung der Fokus häufig auf Krankheitsbildern, weniger auf einfühlsamer Kommunikation oder dem persönlichen Umgang mit den Patient:innen.
Genau hier setzt das innovative Ausbildungsprojekt „Meine Geschichte für dich“ am Universitätsklinikum Bonn an. Das Projekt fördert Medizinstudierende mit dem Ziel, eine empathische, patientenzentrierte ärztliche Haltung zu entwickeln. Studierende sollen lernen, die Lebenswirklichkeit hinter einer Erkrankung zu verstehen und Barrieren in der Kommunikation mit Patient:innen und deren Familien abzubauen.
Empathie entsteht dabei nicht durch Theorie, sondern durch persönliche Begegnung und Reflexion. Die Studierenden lernen im Rahmen des Projektes, zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen und eigene Denkmuster zu hinterfragen. So werden sie darauf vorbereitet, Patient:innen in ihrer späteren Berufsausübung ganzheitlich wahrzunehmen und zu behandeln.
Raum für Geschichten, die gehört werden müssen
Junge Patient:innen der Kinderklinik, darunter Kinder mit angeborenem Herzfehler, und ihre Familien stehen im Mittelpunkt des Projekts. Sie teilen ihre persönlichen Erfahrungen und Geschichten mit den Medizinstudent:innen. Die Studierenden führen Interviews, aus denen sie jeweils einen Kurzfilm entwickeln. Dabei rückt nicht die Diagnose in den Mittelpunkt, sondern die persönlichen Herausforderungen, Perspektiven und Gefühle der Betroffenen.
Für viele Studierenden ist dies der erste intensive Kontakt mit Patient:innen und Angehörigen. Diese Erfahrung ermöglicht ein tiefes Verständnis für die individuellen Bedürfnisse und trägt entscheidend dazu bei, eine patientenzentrierte Haltung zu entwickeln und gleichzeitig Unsicherheiten abzubauen.

Eine starke Idee wächst weiter
Nach erfolgreicher Pilotphase ist das Projekt nun als Wahlfach fester Bestandteil des Medizinstudiums an der Universität Bonn. Die Verbindung aus persönlicher Begegnung, Reflexion und kreativer Aufbereitung schafft eine nachhaltige Lernerfahrung, die weit über theoretische Inhalte hinausgeht. Die Begegnung mit Herzfamilien eröffnet den Studierenden eine neue Perspektive auf Krankheit und Gesundheit und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung zukünftiger Ärzt:innen.
Ziel ist es, dieses Lehrkonzept langfristig zu sichern, weiterzuentwickeln und auch überregional zugänglich zu machen.


Spenden






