Studie: Wie beeinflussen frühe Herz-OPs das kindliche Gehirn?

Studie zum Hirnvolumen von Herzkindern

Das Expertenteam am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (v.l.n.r.): Dr. Kerstin Gummel, PD Dr. Bettina Reich, Prof. Andreas Hahn, Ali Rad.

Für eine bessere Entwicklung und mehr Lebensqualität

Kinder, die nur mit einer Herzkammer zur Welt kommen, müssen schon sehr früh operiert werden. Die Kinderherzchirurgen benötigen insgesamt drei Operationen, um ihr winziges Herz neu aufzubauen. Nur so können sie das Leben dieser Kinder retten.

Risiken für Herzkinder

Doch die aufwendigen Operationen bergen Risiken für die spätere körperliche und geistige Entwicklung der Herzkinder: Lange Beatmungszeiten, mehrwöchige Klinikaufenthalte, wiederholte Operationen und Herzkatheter-Untersuchungen können u.a. das Wachstum des Gehirns verändern. kinderherzen hat dazu bereits geforscht. Eine erfolgreich abgeschlossene Studie ergab, dass zwei- bis dreijährige Herzkinder sich überwiegend gut entwickeln. Dennoch sind bei einigen Kindern Sprache, Motorik und Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt. Im Hirn-MRT zeigten 36 Prozent der untersuchten Kinder auffällige Befunde. In der Studie von 2012 bis 2015 fiel außerdem auf, dass Kinder, die bereits wenige Lebenstage nach ihrer Geburt an der Herzlungenmaschine operiert wurden, mit 2-3 Jahren ein geringeres Hirnvolumen der zentralen grauen und weißen Substanz hatten, als Kinder, die bei der Operation vier bis sechs Monate alt waren.

Wie entwickelt sich das kindliche Gehirn weiter?

Im MRT des Kinderherzzentrums können Kopf und Herz in einer Untersuchen gescannt werden. Ziel ist, bei Patienten mit angeborenem Herzfehler die Diagnostik und Therapie langfristig zu verbessern.

Inzwischen haben die Herzkinder der ersten Studie das Grundschulalter erreicht. kinderherzen möchte in einer Folgestudie herausfinden, wie die Kinder sich weiter entwickeln. Verändern sich die

Hirnauffälligkeiten? Wirkt sich das geringere Hirnvolumen negativ aus? Diesen Fragen geht das Forschungsteam des Universitätsklinikums Gießen und Marburg in Kooperation mit dem Kinderherzzentrum am Universitätskinderspital Zürich nach.

Herzkinder wachsen heran

Für die zweite Studie werden die Herzkinder komplexere Tests zu Koordination, Beweglichkeit und Erinnerungsvermögen absolvieren. Auch ein weiteres Hirn-MRT sowie Fragen zu Familie und Lebensqualität sind geplant.

Logo kinderherzenWir forschen mit Leidenschaft, um die Chancen für eine gute Entwicklung und Lebensqualität der Herzkinder zu verbessern. Helfen Sie uns!

kinderherzen Forschung

Ein Langzeitprojekt in zwei Phasen Die Forscher in Gießen und Zürich kennen „ihre“ Herzkinder schon seit mehreren Jahren. Mit ihrer zweiten Studie realisieren sie eine Langzeitbeobachtung. Denn Herzkinder haben inzwischen dank der Medizinforschung die Chance, ein weitgehend gesundes Leben zu führen. Umso wichtiger ist es herauszufinden, wie die frühen Herzoperationen sich auf ihre Zukunft auswirken.

Forschungsziele auf einen Blick

  • Erfassen des Hirnwachstums der Herzkinder, die in den ersten Lebenswochen und -monaten operiert wurden
  • Beobachten der individuellen Entwicklung und der Lebensqualität von Herzkindern im Grundschulalter
  • Suche nach Maßnahmen zum Schutz des Nervensystems
  • Entwickeln von Therapien, um neurologische Spätkomplikationen zu vermeiden.

Daten und Fakten

Ausführlicher Titel „Longitudinale Erfassung (2.-8. Lebensjahr) des neurologischen Outcomes und zerebraler MRT Veränderungen bei Kindern mit komplexen Herzfehlern vor und nach Fontankomplettierung“
Projekt-Nr. W-GI-003/2016
Standort Universitätsklinikum Gießen und Marburg in Kooperation mit dem Kinderherzzentrum, Kinderspital Zürich
Laufzeit Februar 2017 bis Februar 2020
Kosten 93.000,00 Euro

kinderherzen Experten
PD Dr. med. Bettina Reich
Prof. Dr. Walter Knirsch

Viele komplexe Herzfehler lassen sich heute schrittweise operieren – mit wachsenden Überlebensraten. Daher rückt die Suche nach Schutzmechanismen für die Entwicklung des kindlichen Gehirns ins Zentrum unserer Forschung. Wir wollen die Chancen für eine gute Entwicklung und Lebensqualität von Kindern mit Herzfehlern verbessern. Damit sie möglichst unbeschwert aufwachsen können.