Hilfe zur Selbstheilung für kleine Kinderherzen

Fremdkörperreaktion verhindern
Stabile Flicken aus dem körpereigenen Protein Fibrin

Das Expertenteam an der Medizinischen Hochschule Hannover (v.l.n.r.): Dr. med Alexander Horke, PD Dr. Ulrike Böer, Prof. Mathias Wilhelmi

Kommt ein Kind mit einem großen Loch im Herzen zur Welt, muss dieses geflickt werden. Die Kinderherzchirurgen setzen dazu sogenannte „Patches“ auf die Herzscheidewand, eine Herzklappe oder die Gefäßansätze.

Meist werden diese Flicken aus synthetischem oder tierischem Gewebematerial hergestellt. Das hat Nachteile. Der kindliche Körper erkennt, dass es sich um fremdes Gewebe handelt. Es kommt zu Fremdkörperreaktionen. Das Gewebe kann abgekapselt werden, verkalken oder sich im Laufe der Zeit nachteilig verändern. Außerdem wächst es nicht mit. Weitere Operationen sind vorhersehbar.

Fortschritt durch Forschung

Wir forschen an der Medizinischen Hochschule Hannover, um nach Lösungen für diese Reaktionen zu suchen. Zwei Ärzte und eine Wissenschaftlerin entwickeln „Patches“ aus dem körpereigenem Protein Fibrin. Dieses Protein sorgt bei blutenden Wunden dafür, dass Eiweißfäden entstehen und sich vernetzen. Die Blutung wird gestillt und die Wundheilung kann beginnen. Flicken aus Fibrin eignen sich auch für die wiederherstellende Chirurgie. Sie lassen sich innerhalb von 30 Minuten – also auch während einer Operation – herstellen.

Diese Flicken für Herzoperationen wurden aus dem Protein Fibrin hergestellt. Noch fehlt ihnen die Festigkeit; daher werden sie verdichtet.

Die Herausforderung

Doch fehlt diesen „Patches“ zunächst die Festigkeit. Für eine Implantation sind sie nicht stabil genug. Die Forscher wollen herausfinden, wie die „Patches“ sich bestmöglich verdichten lassen. Sie sollen so stabil sein, dass sie kleinen Herzpatienten implantiert werden können. Damit würden die Fremdkörperreaktionen ausbleiben. Das könnte Herzkindern weitere Operationen ersparen.

Tragen menschliche Muskelzellen zur Stabilität bei?

In einem zweiten Schritt soll zukünftig getestet werden, ob es vorteilhaft ist, die Fibrinflicken mit menschlichen Glattmuskelzellen zu besiedeln. Dadurch könnten die „Patches“ noch fester und stabiler werden.         

Logo kinderherzenDurch unsere Forschung möchten wir kleinen Herzpatienten anstrengende Operationen ersparen. Helfen Sie uns, den Herzkindern zu helfen!

 

 kinderherzen Forschung

Ein Projekt mit zwei Studienphasen

Die Suche nach optimalen „Patches“ für Operationen der Herzkinder ist nur der erste Schritt. Die Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover blicken bereits in die Zukunft. In einer zweiten Testphase wollen sie die optimierten „Patches“ implantieren. Dies soll zunächst im Schafstiermodell getestet werden.

Forschungsziele auf einen Blick:

  • Weniger Operationen bei Herzkindern
  • Kleinen Herzpatienten sollen Fremdkörperreaktionen erspart bleiben
  • Herstellung von stabilem und implantierbarem Gewebematerial als Flicken aus dem körpereigenen Protein Fibrin
  • Einsatz der Flicken in der Kinderherzchirurgie, z.B. bei Operationen der Herzscheidewand, der Herzklappen oder der Gefäßansätze
  • Test, ob Flicken stabiler werden, wenn sie mit menschlichen Glattmuskelzellen besiedelt werden

Daten & Fakten

Ausführlicher Titel „Generierung von autologen Fibrin-Patches zur Gefäßrekonstruktion und Patch-Plastik bei angeborenen Herzfehlern“
Projekt-Nr. W-H-005/2016
Standort Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Laufzeit November 2016 bis Juni 2018
Kosten 90.260,00 Euro

kinderherzen Experte
Dr. Alexander Horke

„Wir betrachten die Herstellung und Anwendung von Rekonstruktionsflicken (Patches) aus körpereigenem Fibrin als einen wesentlichen Durchbruch in der regenerativen Medizin. Die Patches tragen zur dauerhaften Selbstheilung des Körpers kleiner Herzpatienten bei.“

Leiter Abteilung Chirurgie angeborener Herzfehler, MHH, Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin